Mythische Durchblicke

Die Werler Künstlerin Petra Kook zeigt Malerei mit Glas im Torhaus Rombergpark

Nein, sie begreift sich nicht als „Glaskünstlerin“ und unter ihren Händen entsteht auch keine „Glaskunst“. Petra Kook sagt: „Ich male mit Glas“. Womit sie die entscheidende Bruchstelle andeutet, deretwegen in ihren gläsernen Arbeiten die materialimmanente Aussage oftmals subtil bleibt. Kook bedient sich der mehr als 4000 Jahre alten Technik des Fusing, des Verschmelzens von Gläsern, und das Resultat sind Bilder in einer reizvollen Symbiose von Malerei, Bildhauerei und Licht. „Anderswelt“ heißt die Ausstellung, mit der Petra Kook, bislang bekannt als Keramikerin und Malerin, ihre neuesten Arbeiten im Torhaus Rombergpark in Dortmund vorstellt. Drei flache Stelen dominieren die Raummitte. Knapp zwei Meter hoch, oben abgerundet, durch Metallrahmen in drei Felder geteilt. Sie erinnern an Denkmäler, Grabmäler. Tatsächlich sind sie in Erinnerung an die „Standing Stones“ entstanden, rare Überreste keltischer Kultur in Irlands Hügeln. Alte Mythen, abstrahierend angedeutet, spielen eine zentrale Rolle in der Symbolwelt Kooks. Schlieren aus brennendem Rot und Gelb tanzen auf farblosem Glas verwunschene Phantasiebilder, überfangen von feinem schwarzen Liniengewirr. Orange und Gelbtöne überschlagen sich zu einer Art Hymne an die Sonne, an das Licht, an die Hoffnung. Die stille Würde der Stelen erhält durch glühende Farblust einen heiteren Gegenakzent, ohne an Gemessenheit zu verlieren. Die Stelen teilen den Raum und wer durch sie hindurchsieht, der entdeckt die „Anderswelt“: Die Konturen verschwimmen, das Bekannte löst sich auf, die Grenzen zwischen Ratio und Emotion, zwischen Bewusstem und Unbewussten werden durchlässig.
Aus dem Wunsch nach einem Material, mit dem sich diese Durchlässigkeit der geistigpsychischen Welten darstellen ließ, griff die in Werl lebende Petra Kook, zum Glas. Beim Fusing werden auf eine Trägerscheibe farbige Glaselemente aufgelegt und mit der Basis im Schmelzofen verschmolzen. Petra Kook gelingt es, Malerei und Glas in vielschichtiger Aussagekraft und Form zu vereinen, auch wenn die durchweg starken und kontrastreichen Farben manchmal den Wunsch nach Zurückhaltung aufkommen lassen. Angesichts der Glasbilder an der Wand taucht allerdings zunächst die Frage auf, ob nicht Leinwand dieser informell angehauchten Malerei eher gerecht würde. Doch das Geheimnis offenbart sich in der Nähe. Hinter dem Objekt, an der Wand, flimmert sein nur aus farbigem Licht bestehendes Doppel. Das ist Malerei mit Glas, mit Licht und mit Poesie, eine die viel Potential in sich birgt. Auch deshalb, weil sie die naheliegende Gefahr umschifft, ins Kunsthandwerkliche abzugleiten.

Quelle: Westf. Anzeiger

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