Preisgekrönt

Wenn es jemanden gibt, der einem deutlich machen kann, dass es darauf ankommt, was man daraus macht, dann ist das Petra Kook. Die Werler Künstlerin führt mühelos Gegensätze zusammen und zeigt sowohl in ihrem Wirken als auch in ihren Werken, dass künstlerischer Ausdruck immer auch Lebenshilfe ist, eine Möglichkeit, in die Tiefe zu gehen und Klarheit zu gewinnen – egal, ob man Kunst aktiv ausübt oder sie passiv aufnimmt. „Kunst ist keine Dekoration“, sagt die zarte Person mit der starken Persönlichkeit, die es als große Ehre empfindet, in diesem Jahr mit dem Werlpreis der Stein’schen Buchhandlung ausgezeichnet zu werden.
„Das Gremium, das über die Vergabe entscheidet, hat dabei die langfristige Auswirkung der Leistungen des Preisträgers im Auge“, erklärt Alexander Stein, „es zählt nicht die aktuelle Situation, sondern die Dauerhaftigkeit. Und da waren wir bei Petra Kook sehr schnell einig.“
Seit 1984 betreibt Petra Kook ihr eigenes Atelier, arbeitet als freischaffende Künstlerin. Doch nicht nur ihr eigener Ausdruck ist ihr wichtig. Ihr Engagement beim Kunst- und Kulturverein der Stadt Werl ist nicht aufs eigene Wachstum konzentriert. Sie hat mit der Malschule einen Ort geschaffen, an dem Kinder spielerisch lernen, wie sie ihre Kreativität kunstvoll einsetzen können. Jahr für Jahr bekommen immer wieder „neue“ Kinder sanfte Anleitung, wie sie ihr Innerstes außen sichtbar machen können, wie sie Erlebnisse und Gefühle so verarbeiten können, dass sie sichtbar und auch greifbar werden. Petra Kooks künstlerischen Talente, Fähig- und Tätigkeiten beschränken sich nicht auf die Zweidimensionalität von Bildern. Sie nutzt viele Materialien, setzt auch die dritte Dimension ein.
Ihre Arbeit mit dem Raum wird auch bei Ausstellungen deutlich: Sie stellt Beziehungen her, zwischen den Objekten und zwischen den Objekten und dem Betrachter.
Beziehungen sind Petra Kook aber nicht nur in der Kunst und im Umgang mit der Kunst wichtig. Immer wieder zeigt sie in Workshops und Projekten – zum Beispiel mit Landfrauen oder Migrantenkindern – wie sehr ihr die Kunst als Ausdrucksmöglichkeit für jeden Menschen am Herzen liegt. Und mit der Gründung des Soroptimisten-Clubs Werl macht sie deutlich, dass sie den Wert von Vernetzung – dem scheinbar losen Zusammenhalt, der jedem einzelnen Teil große Stabilität gibt – schon früh erkannt hat.
An diesem Beispiel ist eine weitere Tugend ablesbar: Petra Kook denkt nicht nur nach, analysiert, kommt zu Erkenntnissen und kommentiert auf ihre besondere Art. Sie ist auch bereit und in der Lage, Dinge voranzutreiben. gern arbeitet sie mit anderen Künstlern zusammen, stellt immer wieder neue Verbindungen her, geht mutig neue Wege.
Hier verknüpft sich ihre Lebenseinstellung mit der der Familie Stein: „Wer nicht vorangeht, der geht zurück!“
Petra Kook ist mit ihrer Kunst weltweit unterwegs, hat an vielen Orte ihren Spuren hinterlassen. Sie erlebt Werl nicht als „provinziell“ sondern als Ausgangspunkt vielfältiger anregender und reizvoller Kreativität und Kreationen, die weit über die Stadtgrenzen hinweg strahlen. Petra Kook hat ihren Teil dazu beigetragen, dass Werl so bunt in Erscheinung tritt. Sie ist stolz darauf, ein Teil dieses schöpferischen Werls zu sein. Und so ist die Verleihung des Werlpreises an sie die verdiente Krönung einer Lebensleistung, deren Quelle nach wie vor lebendig sprudelt.
Trotz eingeschränkter Gesundheit ist Petra Kook voller Pläne und wird der langen Liste von auffallend gut gelungenen Werken noch so manches hinzufügen.
Worauf sie keine Rücksicht mehr nehmen mag: die Befindlichkeiten anderer Menschen. „Ich will es nicht mehr möglichst allen recht machen. Dafür ist das Leben zu kurz“, sagt sie, die ihr Leben lang jungen und auch älteren Schülern beigebracht hat, auf sich selbst zu hören und dem Ausdruck zu verleihen. „Ich bin immer meinen Weg gegangen, habe aber oft Rücksicht genommen“, blickt sie zurück und setzt nachdenklich hinzu: „Mag sein, dass das nicht immer bei allen so angekommen ist.“
Während andere ermuntert, immer wieder Neues auszuprobieren, und in ihrem Workshops großen Wert auf den Prozess des künstlerischen Ausdrucks legt, liegt die Messlatte für eigene Werke hoch. Mit „Handwerklich gut Gemachtes ist oft nur Dekoration“, drückt sie freundlich aus, dass Kunst ihrer Meinung nach einen anderen Anspruch hat. Kunst regt auf und an. Sie provoziert zum Nachdenken, fordert zur Auseinandersetzung auf, führt in die Tiefe. „Die künstlerische Tätigkeit reduziert Gefühle auf meine Art der Darstellung. Der Betrachter interpretiert diese Darstellung vor seinem Erfahrungshintergrund wieder vollkommen neu“, ist sie sich klar darüber, dass diese Form der Kommunikation sie gelehrt hat, Toleranz zu üben. Denn ist das Werk erst einmal losgelassen, liegt es im Auge des Betrachters, was er darin sieht.

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